Ich möchte meinen Verein Inklusiver machen
Du möchtest mehr Inklusion in deinem Sportverein?
Du möchtest Sport machen, aber in deinem Verein gibt es noch kein passendes Angebot?
Oder du bist schon Mitglied in einem Verein und möchtest, dass dort mehr Menschen mit Behinderung mitmachen können?
Dann sprich darüber.
Viele Vereine sind grundsätzlich offen für Inklusion. Oft fehlt aber die Erfahrung. Manchmal wissen Verantwortliche nicht, wie sie anfangen sollen. Und manchmal gibt es Bedenken, obwohl eine Lösung einfacher wäre als gedacht.
Diese Argumentationshilfe soll dir helfen, mit deinem Verein ins Gespräch zu kommen.
Was kannst du deinem Verein sagen?
„Ich möchte einfach mitmachen.“
Menschen mit Behinderung haben genauso unterschiedliche Interessen wie Menschen ohne Behinderung.
Manche möchten Fußball spielen. Andere möchten schwimmen, laufen, tanzen, Volleyball spielen oder sich einfach gemeinsam bewegen.
Nicht für jeden Menschen muss deshalb ein eigenes Sportangebot geschaffen werden.
Frage zuerst:
Kann ich bei einem bestehenden Angebot mitmachen?
Manchmal reichen kleine Veränderungen aus.
„Wir wissen nicht, wie das mit deiner Behinderung funktioniert.“
Das ist in Ordnung.
Niemand muss von Anfang an alles wissen.
Du kannst deinem Verein sagen:
„Fragt mich einfach, was ich brauche.“
Menschen mit Behinderung wissen häufig selbst am besten, welche Unterstützung sie benötigen und was sie selbstständig können.
Der Verein muss nicht jede Behinderung kennen.
Viel wichtiger sind Offenheit, Kommunikation und die Bereitschaft, gemeinsam etwas auszuprobieren.
„Unsere Trainerinnen und Trainer sind dafür nicht ausgebildet.“
Eine besondere Ausbildung kann hilfreich sein. Sie ist aber nicht für jedes inklusive Angebot Voraussetzung.
Viele Übungen lassen sich verändern.
Regeln können angepasst werden.
Gruppen können unterschiedlich zusammengesetzt werden.
Bei Bedarf kann sich der Verein Unterstützung holen, zum Beispiel bei Sportverbänden, Behindertensportverbänden oder Fachstellen für Inklusion.
Ein guter erster Schritt kann deshalb sein:
„Lasst uns gemeinsam ausprobieren, was funktioniert.“
„Unsere Sportstätte ist nicht barrierefrei.“
Das kann tatsächlich ein Problem sein.
Aber zuerst sollte genau geprüft werden, welche Barriere für dich besteht.
Eine fehlende Rampe ist für einen Rollstuhlfahrer möglicherweise entscheidend. Für einen Menschen mit einer anderen Behinderung muss sie dagegen überhaupt keine Rolle spielen.
Barrierefreiheit bedeutet deshalb nicht, dass für jedes inklusive Angebot sofort die gesamte Sportstätte umgebaut werden muss.
Fragt gemeinsam:
Was brauche ich tatsächlich, um teilnehmen zu können?
Vielleicht gibt es bereits eine Lösung. Vielleicht lässt sich eine Barriere mit wenig Aufwand beseitigen. Vielleicht muss langfristig etwas verändert werden.
Wichtig ist, die konkrete Barriere zu prüfen, statt eine Teilnahme von vornherein auszuschließen.
„Das können wir uns nicht leisten.“
Inklusion muss nicht automatisch teuer sein.
Manchmal braucht es zusätzliche Sportgeräte, bauliche Veränderungen oder Assistenz. Vieles kann aber auch ohne große zusätzliche Kosten beginnen.
Zum Beispiel durch:
- angepasste Übungen
- kleinere Gruppen
- veränderte Regeln
- Unterstützung durch andere Vereinsmitglieder
- eine andere Organisation des Trainings
Für größere Maßnahmen können außerdem Fördermöglichkeiten geprüft werden.
Deshalb sollte die erste Frage nicht sein:
„Was kostet Inklusion?“
Sondern:
„Was brauchen wir konkret, damit eine Teilnahme möglich wird?“
„Was ist, wenn etwas passiert?“
Sport ist nie völlig ohne Risiko.
Das gilt für Menschen mit und ohne Behinderung.
Eine Behinderung bedeutet nicht automatisch, dass Sport gefährlicher ist.
Trainerinnen und Trainer sollten sich informieren, welche Unterstützung notwendig ist und ob bestimmte Besonderheiten berücksichtigt werden müssen.
Auch hier gilt:
Miteinander reden statt Vermutungen anstellen.
Du musst nicht gleich den ganzen Verein verändern
Inklusion kann klein anfangen.
Vielleicht möchtest zunächst nur du an einem Training teilnehmen.
Vielleicht findet sich später eine zweite Person.
Vielleicht entsteht daraus irgendwann eine inklusive Trainingsgruppe.
Und vielleicht wird aus einem einzelnen Angebot langfristig ein selbstverständlicher Teil des Vereins.
Der erste Schritt muss deshalb nicht perfekt sein.
Er muss nur gemacht werden.
So kannst du anfangen
1. Suche dir eine Ansprechperson im Verein.
Das kann eine Trainerin, ein Trainer, der Vorstand oder eine andere Person sein, der du vertraust.
2. Erkläre, was du machen möchtest.
Nicht nur über deine Behinderung sprechen.
Sage vor allem, welchen Sport du machen möchtest und was du bereits kannst.
3. Sage konkret, welche Unterstützung du brauchst.
Was kannst du allein?
Wo brauchst du Hilfe?
Was müsste verändert werden?
4. Schlage ein Probetraining vor.
Nicht jede Frage muss vorher theoretisch geklärt werden.
Manches merkt man erst beim gemeinsamen Sport.
5. Sucht gemeinsam nach Lösungen.
Wenn der Verein nicht weiterweiß, kann externe Beratung helfen.
Ein Satz kann der Anfang sein
Du musst kein fertiges Konzept für Inklusion mitbringen.
Du kannst einfach fragen:
„Ich würde gerne bei euch Sport machen. Können wir gemeinsam schauen, wie das möglich wird?“
Inklusion im Sport beginnt häufig genau damit: Ein Mensch möchte teilnehmen und ein Verein ist bereit, gemeinsam nach einem Weg zu suchen.
Inklusion ist keine Einbahnstraße
Auch dein Verein kann von einem inklusiven Angebot profitieren.
Neue Menschen kommen in den Verein. Trainerinnen und Trainer sammeln neue Erfahrungen. Vereinsmitglieder lernen voneinander. Angebote können vielfältiger werden.
Vor allem aber entsteht etwas, das im Sport selbstverständlich sein sollte:
Menschen treiben gemeinsam Sport, weil sie Freude daran haben.